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Archiv 1998

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Ausgabe 1 - Juli --- Kongressbericht ---

 

 

 

4. Jahreskongreß der Deutschen Assoziation für Orthopädische Fußchirurgie D.A.F. vom 13. bis 14. März 1998 in Stuttgart

 

Überlastungsschäden im Sport - Streßfrakturen

 

K.Graff aus Essen hebt in seinem Vortrag hervor, daß die Bezeichnung Streßfraktur tatsächlich nur für eine im Sport selten vorkommende, nachvollziehbare Kontinuitätsdurchtrennung des Knochens verwendet werden sollte. Neben der Symptomatik und dem Untersuchungsbefund stellt die Röntgendiagnostik das klassische bildgebende Verfahren dar. Nur in begründeten Fällen muß nach seiner Erfahrung auf die Kernspintomographie oder das Computertomogramm zurückgegriffen werden, wenngleich deren Stellenwert durch die frühe und exakte Darstellung struktureller Veränderungern am Knochen zunehmend ist. Die Szintigraphie ist indiziert bei persistierender Symptomatik und unauffälligem Röntgenbild. Therapeutisch reicht meist eine Trainingsreduktion aus, wobei die nachweislich gestörte Perfusion des betroffenen Knochenabschnittes als mit ursächlich für die langwierigen Heilungsverlauf zu sehen ist. Prof.Malerba aus Mailand geht in seinem Übersichtsreferat auf die verschiedenen Lokalisationen von Streßfrakturen ein und demonstriert dazu eindrucksvolles Bildmaterial. Eindringlich weist er darauf hin, daß der Algorhythmus der bildgebenden Diagnostik von der konventionellen Röntgenaufnahme über die Szintigraphie bis hin zur Kernspintomographie eingehalten werden sollte. Einschränkend dazu berichtet er allerdings darüber, daß 13-24% der Szintigramme bei der Verdachtsdiagnose einer Streßfraktur am Fuß falsch positive Ergebnisse erbringen. Dr.Engel aus Wien erläutert den immer höheren Stellenwert der Kernspintomographie in der Diagnostik ossärer Streßreaktionen am Fuß. Er untermauert seine Aussage mit sehr eindrucksvollen und für den Zuhörer nachvollziehbaren Bildern und weist insbesondere darauf hin, daß neben den T1- und T2-gewichteten Bildern auch fettunterdrückte Sequenzen zur Beurteilung mit herangezogen werden müssen. Prof.Krahl aus Bad Wiessee berichtet ebenfalls über Streßfrakturen der tarsalen Knochen und hebt dabei insbesondere das Os navikulare wegen seiner mechanischen Exposition als Abschluß des tarsalen Längsgewölbes hervor. Streßreaktionen des Knorpels konnte er am oberen Sprunggelenk, dem Großzehengrundgelenk und den Fußwurzelgelenken beobachten. Überlastungsreaktionen von Sehnen, Sehnenscheiden, Gelenkkapseln und neuralen Strukturen sind in gleicher Weise möglich, oft jedoch schwierig zu diagnostizieren. Zum Abschluß dieses ersten Vortragsblocks stellt Prof.Steinhäuser aus Guben eine seltene und interssante Kasuistik vor. Er schildert den Krankheitsverlauf eines Joggers, der innerhalb von 2 Jahren beidseits eine Streßfraktur der Fibula in gleicher Höhe erleidet. Aufgrund dieser seltenen Lokalisation einer Streßfraktur sieht er insbesondere Gefahr die Fehldiagnose und Fehlbehandlung bei unzureichender Diagnostik.

 

Überlastungsschäden im Sport - Tendopathien

 

H.Lohrer aus Frankfurt stellt in seinem Vortrag dar, daß das Sehnen- und Sehnengleitgewebe bei laufbelasteten Sportarten am häufigsten degenerativ verändert ist, wobei die Pallette dabei von klinisch noch nicht relevanten Mikroveränderungen über Endopathien bis hin zu Rupturen reicht. Mikrofaserrupturen als mechanische Schädigung, aber auch nicht adäquate Regeneration durch fortgesetzte sportliche Belastung sind ätiologisch bedeutsam. Anamnestisch schildern die Betroffenen oft eine initiale Schmerzhaftigkeit, die mit zunehmender Belastungsdauer nachläßt. Bei der klinischen Untersuchung stehen der lokale Druckschmerz und die Schwellung im betroffenen Sehnenareal im Vordergrund. Neben hyperämisierenden Maßnahmen zur Verbesserung der Sehnenregeneration sind der individuell angepaßte Sportschuh und krankengymnastische Übungsbehandlungen indiziert. M.L.Dingerkus aus München referiert über das "Medial Tibial Stress Syndrome" bei insgesamt 24 Patienten mit Lauf- oder Sprungsportbelastung. Die Szintigraphie erweist sich in nahezu allen Fällen als aussagekräftig, während eine Diagnose im konventionellen Röntgenbild nur selten gelingt. Therapeutisch sind neben physikalischer und medikamentöser Therapie Sportpausen meist unumgänglich. B.Paul, Berlin: kein Abstract vorhanden A.Beckmann, Gütersloh: kein Abstract vorhanden In seinem Vortrag über tendomyopathische Syndrome bei Marathonläufern schildert R.Ammenwerth aus Paderborn anhand von 3 Patienten die therapeutischen Schwierigkeiten dieser Krankheitsbilder. Dabei erweist sich die manuelle Therapie kurz vor dem geplanten Wettkampf als günstig.

 

Sportschuh-Einlagen I

 

Zunächst stellt B.Segesser, Basel/Muttenz, den derzeitigen Stand zum Thema Sportschuh/Laufschuh vor. Er betont als wesentliche Funktion des Schuhs die Schutzfunktion gegenüber unmittelbarer äußerer und schädigender Krafteinwirkung bzw. gegenüber Überlastungen. Darüber hinaus kann der Sportschuh als unterstützendes Hilfsmittel zur Erbringung oder Verbesserung der sportspezifischen Fertigkeiten und Leistungsfähigkeiten eingesetzt werden. Daneben kann der Sportschuh eine Korrektur sportartspezifisch eingeleiteter Fehlbewegungen bewirken. Das wesentliche Kriterium eines Sportschuhs sollte sein, daß dieser nicht als Hebel wirkt. Im nächsten Übersichtsreferat wird auf den Sportschuh als Therapiemaßnahme eingegangen (H..Lohrer, Frankfurt). Dabei wird betont, daß die Sportschuheinlagenversorgung und die Sportschuhzurichtung eine Möglichkeit darstellt, das Massenprodukt Sportschuh an den Fuß individuell anzupassen. Grundsätzlich sollen im Sport, vor allem im Vergleich zu der Standardversorgung, geringergradige Korrektur- und Abstützelemente eingearbeitet werden, um den sportspezifischen Anforderungen gerecht zu werden. Ein Beinlängenausgleich sollte in laufbeanspruchenden Sportarten nicht grundsätzlich präventiv bei jeder Beinlängendifferenz erfolgen. Vielmehr sollte nur bei größeren Beinlängendifferenzen und bei symptomatisch schmerzhaften Beinlängendifferenzen bereits unterhalb eines Zentimeters ein Beinlängenausgleich angestrebt werden. Eine Fersenerhöhung alleine erfüllt diesen Zweck grundsätzlich nicht. Zu warnen ist vor allem vor hochviskoelatischen Fersenkissen, die im Sport regelmäßig beschwerdeverschlimmernd wirken. Die Funktionsweise der Detorsion, Detorsionsstütze und der medialen Abstützung am Schuh bzw. in der Einlage wird dargestellt. Hingewiesen wurde auf die Tatsache, daß eine komplette Außen- oder Innenranderhöhung im Sport grundsätzlich nicht indiziert werden sollte. In einem weiteren Beitrag stellte W.Alt, Stuttgart, die biomechanisch begleitete Entwicklung eines Prophylaxe-Sportschuhs dar. Dabei zeigt er sehr schön, wie Elemente, die zunächst für außerordentlich sinnvoll gehalten werden, in der biomechanischen Testung keinen Bestand haben bzw. eher schädlich wirken können. Eine Verbesserung der Prophylaxe-Schuhqualität durch eine gezielte biomechanische Entwicklungsbegleitung ist tatsächlich und eindeutig möglich. Frau Exner und Frau Simmel, Frankfurt, gehen danach auf die Probleme und Möglichkeiten bei der Herstellung eines Spitzenschuhs für das Ballett ein. Als wesentlicher Hinweis sollte die Möglichkeit einer individuellen Anfertigung des Spitzenballettschuhs über einen entsprechenden individuellen Leisten festgehalten werden. Diese Zielvorgabe scheint bisher aber nur im professionellen Bereich an einigen Orten erreicht zu sein. In seinem Beitrag Sportschuh und Verletzungsprophylaxe - Wunsch und Realität kann Dr.Grau, Tübingen, mit der von ihm gewählten Meßmethodik nicht zeigen, ob ein Zusammenhang zwischen der Hyperpronation bzw. dem Ausmaß der Pronationsbewegungen eines Fußes im Sport und den Beschwerden an der Achillessehne besteht. Die Möglichkeit einer Druckverteilungsmessung, auch im Eishockeyspezialschuh, wird durch R.Strich und F.Süßenbach, Ratingen, aufgezeigt. Bei der Untersuchung eines Probanden mit verschiedenen Tennisschuhmodellen stellten Senta, Konvallin, Zirngibel und Refior, München, im Jahr 1989 fest, daß eine wesentliche Unterscheidung dieser Top-Tennisschuhmodelle im Rahmen der biomechanischen Untersuchung mit einer Mikromet-Einlegesohle nicht möglich ist. Sie empfehlen deshalb nach wie vor, daß das subjektive Gefühl des Athleten für die Schuhauswahl entscheidend sein sollte. Im Rundtischgespräch wurde herausgearbeitet, daß die Sportartikelindustrie dem Bereich Sportschuh zweifellos ein hohes kommerzielles Interesse beimißt. Es besteht ein hohes Maß an empirischem Wissen, vor allem in speziellen Zentren, die sich schwerpunktmäßig mit Sportschuh und -versorgung beschäftigen. Dennoch sind bislang nur in wenigen Fällen wissenschaftliche Untersuchungen mit harten Daten verfügbar, die eine gezielte Schuhfunktion oder Schuhzurichtung bzw. zugrundeliegende biomechanische Störungen bei dem Athleten zweifelsfrei belegen. Diesbezüglich besteht ein immenser Forschungsbedarf.

 

H.Lohrer, Frankfurt

 

Sportschuh-Einlagen II

 

Im Rahmen der Vorträge und im anschließenden Rundtischgespräch ist als wesentliche Tatsache erarbeitet worden, daß die Laufstile und die Belastungsarten nicht nur sportartspezifisch, sondern auch interindividuell hochgradig differieren. Die gerade erst erarbeiteten Sportschuhrichtlinien mit Schlagworten wie Supinationskontrolle, Entkopplung von Vorfuß und Rückfuß, Torsion, Schuhdämpfung sind keine Dogmen, sondern müssen im Rahmen von groß angelegten Untersuchungen neu und erweitert definiert werden. Aufgrund der großen individuellen Belastungsunterschiede wird es den idealen Sportschuh für alle Bereiche nicht geben. Die proproizeptiven Elemente des Fußes müssen in Zukunft enger in Forschung und Schuhentwicklung einbezogen werden.

 

B.Rosemeyer, München

 

Überlastungsschäden im Sport - Achillessehne

 

Die Problematik der Achillessehnenruptur wird zunächst inform eines Übersichtsreferates sehr anschaulich von S.Giannini aus Bologna dargestellt.

 

M.Majewski, Stuttgart: kein Abstract vorhanden

 

C.Nicolaus, Stuttgart: kein Abstract vorhanden

 

W.Schulze aus Bochum berichtet über einen Vergleich der operativen gegenüber der funktionell-konservativen Behandlung frischer Achillessehnenrupturen. Als Komplikationen waren beim Einsatz der operativen Therapie in 10% Wundheilungsstörungen zu beobachten. Die Rate der Rerupturen war mit 13% in der Gruppe der konservativ behandelten Patienten deutlich erhöht. Auch über Achillodyniebeschwerden klagten diese Patienten signifikant häufiger. Kraftdefizite ließen sich bei beiden Therapieverfahren nachweisen, bei den konservativ behandelten Patienten allerdings in größerem Umfang. C.Hase aus Marburg erläutert das an der Unfallchirurgischen Klinik Marburg angewandte forcierte Rehabilitationsprogramm operativ versorgter Achillessehnenrupturen. Nach präoperativer Anpassung eines Vacoped in 30° Plantarflexion wird unmittelbar postoperativ mit einer Narben- und Weichteilbehandlung, Lymphdrainage und Bewegungsübungen auf der Motorschiene begonnen. Die Belastung ist bis 15 kg erlaubt. Nach der Wundheilung wird die Plantarflexion auf 15° reduziert, die Belastung mit halbem Körpergewicht erlaubt und Aqua-Jogging durchgeführt. Ab der 3. postoperativen Woche ist die Vollbelastung im Vacoped möglich. Die Bracebehandlung wird bis zur 6.postoperativen Woche fortgesetzt. Mit aktiven Extensionsübungen kann ab der 4. postoperativen Woche begonnen werden. N.Follak aus Greifswald berichtet über seine retrospektive Untersuchung von 20 Patienten mit operativ versorgter Achillessehnenruptur, die klinisch überwiegend sehr gute und gute Ergebnisse zeigten. Ganganalytisch fällt eine vermehrte Sohlenbelastung der operierten Seite auf, die auf eine erhöhte Vorfußbelastung in der Abrollphase zurückgeführt wird. In der mittleren Schwundphase ist zudem eine verminderte Plantarflexion im Sprunggelenk auffällig.

 

W.Müller, Basel: kein Abstract vorhanden

 

Sprunggelenk und Fuß I

 

Prof.K.Steinbrück, der Kongreßpräsident, stellt in seinem Vortrag über die Epidemiologie von Fuß- und Sprunggelenksverletzungen die Analyse von 34.603 Sportverletzungen bei 30.603 Sportlern vor. Das Sprunggelenk ist mit 19,9% (6.920 Verletzungen) die am zweithäufigsten verletzte Körperregion. Im Vordergrund stehen "Distorsionen", gefolgt von Bänderrissen, Frakturen und Kontusionen. 1.664 (4,8%) der Sportler haben Verletzungen und Überlastungsschäden im Bereich des Fußes. Der Häufigkeit nach handelt es sich dabei um Distorsionen, Kontusionen, Frakturen und Überlastungsschäden. Bezogen auf die sportliche Betätigung stellt gutes, sportartspezifisches Koordinationstraining und optimales Schuhwerk die beste Verletzungsprophylaxe dar. K.Benedetto, Insbruck: kein Manuskript vorhanden Prof.Reschauer aus Linz berichtet über die seltenen traumatischen Vorfußverletzungen und geht nach kurzer Schilderung der klinischen Befunde und des diagnostischen Ablaufs auf die Therapie ein. Bei geschlossenen, ligamentären Verletzungen des Chopart-Gelenkes mit Luxationen/Subluxationen empfiehlt er die konservative Behandlung für die Fälle, die sich stabil reponieren lassen. Eine zusätzliche perkutane Fixierung mit Kirschnerdrähten ist für ein reponierbares, aber instabiles Chopart-Gelenk indiziert, wohingegen alle anderen nicht reponierbaren oder retinierbaren Luxationen oder Frakturen einer operativen Therapie zugeführt werden sollten. Das therapeutische Vorgehen wird auch für Verletzungen der medialen und lateralen Säule sowie des Lisfranc-Gelenkes anschaulich geschildert.

 

B.Hintermann: kein Abstract vorhanden

 

Sprunggelenk und Fuß II

 

Menke: Knapp 10% der 54.000 Sportstudenten erlitten eine Sportverletzung, die in ca. 25% der Fälle den Fuß betraf. Zwei Drittel dieser Verletzungen sind Bandverletzungen der Sprunggelenke. Es stellt sich heraus, daß diejenigen Fälle mit einer initialen lateralen Aufklappbarkeit von 10° und mehr eine doppelt so hohe Rezidivrate aufweisen wie die übrigen Fälle. Diese Aussage muß aber relativiert werden, da - wie in einem Vorreferat (Benedetto) dargestellt - die radiologische Bestimmung der lateralen Aufklappbarkeit eine unzuverlässige Meßmethode darstellt. Jerosch et al: Die aufgrund der durchgeführten Untersuchung erhobenen Meßwerte wie auch die daraus gezogenen Schlußfolgerungen müssen insofern relativiert werden, als viele Faktoren hypothetisch angenommen werden müssen. Die Forderung nach einer neurophysiologischen Operationstechnik bei der operativen Stabilisierung der Sprunggelenke wirft ebenfalls gewisse Fragen hinsichtlich der Rezeptorposition und deren -schonung auf. Daß indessen Orthesen günstiger hinsichtlich Supinationsschutz und weniger effizient hinsichtlich Pronationsschutz wirken, dürfte wahrscheinlich auch andere Gründe haben, insbesondere mechanische. Krüger-Franke et al: Die diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der Arthroskopie am oberen Sprunggelenk sind heute unbestritten. Die Indikationsbegrenzungen sind aber namentlich bei den beginnenden Arthrosen bzw. ventralen Fibrosen noch nicht eingehend geklärt, scheinen doch dem ventralen Schmerz im oberen Sprunggelenk auch andere Faktoren zugrunde zu liegen, wie möglicherweise die biologische Belastbarkeit des geschädigten Gewebes. Öttl et al: Am meisten Diskussionsstoff gab nicht unerwartet das in dieser Arbeit vorgeschlagene differenzierte Therapieschema bei osteochondralen Läsionen am Talus. Interpretation der MRT-Befunde sowie Aggressivität des therapeutischen Vorgehens (mediale Osteotomie der Tibia und offene Herdrevision) warfen einige kritische Fragen bei den Experten auf. In jedem Fall müssen die vorgetragenen Resultate wie auch die daraus abgeleiteten Therapieempfehlungen mit größter Vorsicht beurteilt werden, basieren sie durch insgesamt nur auf 17 Fällen. Einschluß von mehr Fällen sowie längere Nachbeobachtungszeiten sind in jedem Fall notwendig, um mehr Klarheit in diesen Fragen zu erlangen.

 

B.Hintermann, Basel

 

Guest lecture

 

P.Renström aus Stockholm referierte über den "State of the Art" bei Kapsel-Band-Verletzungen am Sprunggelenk. Er betonte die Wichtigkeit der klinischen Untersuchung am 4. bis 7.Tag nach dem Unfall, wobei das Ausmaß der Schwellung bis zum 4. Tag kein verläßliches Kriterium für die Schwere der Verletzung darstellt. Zur klinischen Untersuchung führt er aus, daß die reine Palpation in 42% der Fälle geeignet sei, eine Bandläsion zu lokalisieren. Die sog. "vordere Schublade" sollte, um deren Aussagekraft zu erhöhen, in 10 - 20° Plantarflexion überprüft werden. Bezüglich der röntgenologischen Diagnostik liegt die Sensitivität von Streßaufnahmen bei 68%, deren Spezifität bei 71%. Die häufigste Bandläsion am oberen Sprunggelenk ist mit 65% die des Lig.talofibulare anterius. Renström betont in seinem Vortrag auch die in 20% vorkommenden Begleitverletzungen des subtalaren Ligamente, die seiner Meinung nach häufig als Ursache für eine Beschwerdepersistenz angeschuldigt werden können.

 

Heel pain

 

Nach zwei umfassenden Übersichtsreferaten zum Thema Heel pain durch N.Wülker, Hannover und D.Frank, Leverkusen, stellen U.Köster et al., Neuss, die von ihnen ausgeübte Lasertherapie beim sog. Fersenspornentrapmentsyndrom und Morton-Neurom vor. Wie zu erwarten, schließt sich an dieses Referat eine sehr lebhafte Diskussion an, wobei vor allem bei der Morton'schen Neuragie der invasiven Einsatz der Lasertherapie zur Denervation durch thermische Nervenschädigung von den Diskutierenden sehr kritisch bewertet wird. Über die Wirkung der Stoßwellentherapie beim Fersensporn berichten M.Maier et al, München. In der Diskussion wird anschließend vor allem darauf hingewiesen, daß der radiologische Nachweis eines Fersensporns nicht die Rechtfertigung für eine Stoßwellentherapie darstelle, daß deren Wirkungsmechanismus auf Enthesiopathien bekanntermaßen noch nicht abgesichert sei und daß auch der Stellenwert der begleitenden Lokalanästhesie bei der Wertung der Ergebnisse berücksichtigt werden müsse. Eindrucksvolle sonographische Bilder konnten A.Vocke et al., Hannover, bei Vorliegen einer Plantartfasziitis, aber insbesondere bei der Plantarfaszienruptur demonstrieren, so daß neben der klinischen Untersuchung und Berücksichtigung der Anamnese die sonographische Diagnostik eine wichtige und im Vergleich zum MRI kostengünstige diagnostische bildgebende Maßnahme darstellt.

 

R.Fuhrmann, Eisenberg

 

Engpaßsyndrome

 

In fünf sich ergänzenden Referaten wurden anschaulich die wesentlichen Engpaß-Kompressionssyndrome des Unterschenkel/Fuß durch das Übersichtsreferat von B.Segesser, Basel, wie auch durch die Einzelreferate über die Nervenengpaßsyndrome des N.tibialis und seiner Äste (D.Nietzold, Neuss), das Tarsaltunnelsyndrom (B.Herbsthofer, Mainz) und die Morton'sche Neuralgie (R.Schmit-Wiethoff, Stuttgart und K.Koberg, Neuss) dargestellt. Besonders eindrucksvoll war die Videodokumentation und Vorführung eines N.peronaeus-Kompartment-Syndroms der tibialen Loge, das B.Segesser endoskopisch bei anschaulicher Bildqualität löste. Die Kompression des N.tibialis und seiner Äste verursacht Schmerzen im Bereich des Rück- und Vorfußes. Wie beim Tarsaltunnelsyndrom ist die genaue Kenntnis der anatomischen Leitungsbahnen und ihre möglichen anatomischen Engen für Diagnose und Differentialdiagnose in der Fußchirurgie von effizienter Bedeutung. Für beide Krankheitsbilder gilt: Ich denke nur an das, was ich weiß! Entsprechend ist der wiederkehrende Hinweis auf diese Schmerzsyndrome wichtig für die flächendeckende Frühdiagnose der nicht seltenen Schmerzsyndrome. Soll die Verdachtsdiagnose erhärtet werden, so führt die lokale Applikation von wenigen Teilstrichen Lokalanästhetika zur Diagnose und erhärtet diese. Gleiches gilt in ganz besonderem Maße für die Morton'sche Metatarsalgie, von denen Koberg, Neuss, 98 nachkontrollierte Patienten vorstellte. Wie bei allen Engpaßsyndromen gilt auch hier in besonderem Maße: Metatarsalgien (unklarer Vorfußschmerz) sind immer auf das Vorliegen einer Morton'schen Interdigitalneuralgie D II/III und D III/IV abzuklären. Röntgen, MRI, aber auch die neurologische Untersuchung sind selten beweisend. Aussagekräftig sind vor allem die genaue Anamnese (lange Leidensgeschichte, unnötige und wirkungslose Einlagenversorgungen, zunehmende Schmerzen in engen Schuhen und nach längerer Belastung etc.) und die manuelle Untersuchung einschließlich einer probeweisen Schmerzausschaltung mit einem Lokalanästhetikum. Die Therapie ist überwiegend operativ und besteht in einer Exhairese. In Stuttgart wird der dorsale, in Neuss- wegen der besseren Übersicht- der plantare Zugang bevorzugt. Wichtig ist eine ausreichende proximale Resektion und Weichteilbettung des Nervenstumpfes in die plantare Muskelgruppe. Alle Fragen bezüglich Diagnostik und Therapie der Nervenengpaßsyndrome wurde mit dem Auditorium lebhaft und nur in wenigen Punkten kontrovers diskutiert. Einhellig war man jedoch der Meinung, daß alle diese Schmerzsyndrome leicht zu diagnostizieren und erfolgreich zu therapieren sind; Voraussetzung ist, daß man die anatomische Nervenleitbahnen kennt und an die Engpaßsyndrome als Schmerzursache denkt.

 

H.Küster, Gütersloh

 

Freie Themen

 

Dr.Hoerster/Gießen führt aus, daß zur erfolgreichen Durchführung eines Fußblockes die genaue Kenntnis der topographischen Anatomie der peripheren Nerven erforderlich ist. Die subkutan verlaufenden Nerven, N.saphenus, N.suralis und N.fibularis superficialis können durch subkutane Infiltrationen, der N.tibialis und der N.fibularis profundus durch direkte Blockade betäubt werden. Die Technik wird subtil beschrieben. Nach Anlegen eines venösen Zugangs werden die anatomischen Landmarken aufgezeichnet, die Wirkung des Lokalänästhetikums setzt nach 15 Minuten ein und ist nach ca. 30 Minuten komplett. Eine Blutleere wird dabei bis zu 2 Stunden über dem Infiltrationswall toleriert. Eine genaue Aufklärung des Patienten ist zuvor notwendig. Im Vortrag über postoperatives Management nach ambulanter Vorfußchirurgie haben H.Arnold und J.Weber hervorgehoben, daß auch komplexe Eingriffe unter tageschirurgischen Bedingungen durchgeführt werden können, wenn eine adäquate Schmerztherapie sowie die orthopädietechnische Versorgung gewährleistet wird. Die Studie der Hallux valgus-Korrektur nach Magerl von B.Greiner et al. zeigte auf, daß die subkapitale Metatarsale I-Korrekturosteotomie vor allem bei arthrosefreien Großzehengrundgelenken mit einem intermetatarsalen Winkel kleiner 15° sehr gute Ergebnisse erbringt. Kristen und Engel haben Sprinter aus dem österreichischen Leichtathletikkader untersucht. Hierbei zeigten sich vor allem bei Frauen durch funktionelle Überbelastung mit maximaler Dorsalextension im Großzehengrundgelenk Streßreaktionen im Bereich der Sesambeine oder im Köpfchen vom Metatarsale I. Gleichzeitig kann es zu einem Funktionsdefizit des M.abductor hallucis kommen. Lebhafte Diskussionen ergab der Vortrag von Jerosch über Fehlformen und Fehlhaltungen kindlicher Füße. Die sicher breite Normvariante ist zu berücksichtigen, wenn auch insgesamt auf die Bedeutung von Fußtrainingskonzepten hingewiesen wurde.

 

K.Steinbrück, Stuttgart

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